Schützenkapelle Wippingen
Einen Ausschnitt unseres Repertoires werden wir Ihnen anhand einer Geschichte vorstellen. An dieser Stelle möchten wir uns bei Claudia Rehbock, Anja Düthmann und Irmgard Wolters, den Autoren dieser Geschichte, herzlich bedanken.

DIE GESCHICHTE DER GRÜNEN MAPPE

Ihr wißt ja gar nicht, was nach so manchem Übungsabend oder Auftritt in unserer grünen Mappe, im Marschbuch oder auch im Ständchenheft so los ist.

Die wildesten Geschichten und Gerüchte passieren da. Das hörte man ja letzte Woche, als Möhle wie üblich seine Mappe fallen ließ und Schützenliesel zu Boden ging. Sie packte die Gelegenheit beim Schopfe und erzählte von sich und von ihren Mitbewohnern:

Im Rhythmus der Jugend fing damals alles an. Die Bergvagabunden brachten die Tulpen aus Amsterdam und Schützenliesel erlebte zusammen mit Anton aus Tirol eine schöne Liebe im Hafen. Zu der Musik von Anker gelichtet ging es für die beiden los. Sie riefen noch einen schönen Gruß an Kiel sowie an die Hoch- und Deutschmeister und machten sich auf eine große Reise.

Zuerst ging es durch’s Zillertal und den Odenwald, wo auch bereits die fahrenden Musikanten warteten. Sie riefen: „Jetzt geht’s rund!“ und machten Stimmung, Stimmung, Stimmung.

Schützenliesels Freundin, die Fischerin vom Bodensee, schnappte sich die Holzhackerbuabn und sagte unterrauschenden Birken: „Du darfst mich lieben für drei tolle Tage!“, weil ja gerade Wochenende war. Auf einen von den dreien, den weißen Birken, pfiff der Dompfaff Clavelitos.

Unter der Bewirtung von Köhlerliesel übernachtete das Liebespaar im alten Försterhaus, welches im Wald oder auf der Heide stand.

Vor lauter Happiness wußten sie gar nicht wohin, vielleicht nach Kufstein? Sie entschieden sich jedoch für Königswinter und trafen dort auf den jungen Wandersmann, der Grüße aus dem Egerland von Ännchen von Tharau überbrachte, die dort zur Zeit mit dem Weltenbummler Urlaub machte.

Nun ging es weiter zum Wildbach. Unter den hohen Tannen schaute Anton seiner Liesel tief in die Augen und schenkte ihr eine Rose vom Wörthersee. Mit diesem Echo der Liebe sagte sie: „Aber Dich gibt’s nur einmal für mich!“ Er war verzaubert, sein Herz war ein einziges Bienenhaus und sagte: „Fliege mit mir in die Heimat. Dort machen wir einen American-Trail!“ Gesagt, getan.

Nach lustiger Fahrt wurden sie von Clementine und Tom Dooley am Hafen empfangen. Sie nächtigten am Zuckerhut in Rio, wo in der Ferne die Melodie des Colonel Bogey erklang.

Doch schon bald kaufte sich Anton vor lauter Herz Schmerz einen Tirolerhut, denn irgendetwas mußte ihn an die Heimat erinnern.

In diesem Moment dachte er an seine uneheliche Tochter Suse, liebe Suse, die gerne mit dem Kuckuck und dem Esel an der klappernden Mühle am rauschenden Bach spielte und dann und wann mit dem Männlein stehend im Walde dem Zwitschern und Pfeifen der Vögel lauschte, die schon alle da waren.

Mit einem Satz erwachte er aus seinem Tagtraum, denn die Flippers hatten wie immer ein fröhliches Lied auf den Lippen. Zu den Tönen von Mona Lisa packte ihn die unbändige Sehnsucht nach seiner verflossenen Liebe Lore. Er schnappte sich seine Schützenliesel, schwang sich hoch auf den gelben Wagen und fuhr über Toronto zum Hafen. Dort angekommen sahen sie Clementine und Tom Dooley wieder am Hafen stehen, die zum Abschied die Yellow Rose of Texas überreichten. Im Hintergrund spielten die "Tinner Jäger" das Lied Servus, pfüat Gott und auf Wiedersehn.

Mit Tränen in den Augen aber auch voller Sehnsucht betraten sie das Schiff.

Wieder im Egerland angekommen erklangen die Abendglocken. Sie gingen zu Schützenliesels Mutter Adelheid, die mit den vielen Gartenzwergen vor dem Haus.

Am nächsten Morgen schickte Adelheid ihren Schwiegersohn in spe in den Wald, um die hohen Tannen zu fällen, denn der Jäger aus Kurpfalz war in der vergangenen Woche nicht dazu gekommen. Leise rieselte der Schnee schon auf den Waldboden, es war ja auch kurz vor Weihnachten. Er ging mit seiner Laterne durch den Wald und traf dort auf Sankt Martin.

Martin hatte wie immer eine tolle Story auf Lager. Nach langen Überredungskünsten brachte Anton Martin doch dazu, ihm alles von der letzten Fete der "Schützenkapelle Wippingen" zu erzählen.

Martin hatte Tocher Zion nach Hause gebracht, was er natürlich gerne getan hatte, schließlich wartete er schon lange genug darauf, daß Tochter Zion ihn überhaupt mal registrierte. Doch wider Erwarten empfand auch Tochter Zion tiefe Zuneigung in dieser stillen Nacht. Sie fühlten sich wie über den Sternen. Aber es durfte noch keiner von ihrer jungen Liebe etwas erfahren, da sie noch offiziell mit dem Weihnachtsmann verheiratet ist, weil dieser für Deutschland ja ein Visum braucht.

Sonst fällt Weihnachten dieses Jahr aus!

Aber da kann Schneider Hermann von der Ausländerbehörde sicherlich etwas regeln.

Sankt Martin stand unter Zeitdruck und Anton versicherte ihm absolute Verschwiegenheit.

Anton brachte die hohen Tannen zu Adelheid, da diese die Bäume auf dem 2. Wippinger Weihnachtsmarkt verkaufen wollte. Adelheid bedankte sich bei Anton mit roten Rosen und dieser traute sich nun endlich, um die Hand von Schützenliesel anzuhalten. Adelheid hatte Bedenken, da Anton nicht treu sein kann. Doch sie verwarf alle Skrupel, da sie dem Glück ihrer Tochter nicht im Wege stehen wollte.

Anton überbrachte die frohe Botschaft sofort seinem Herzilein und sie beschlossen, das der Brautchor zu Karneval erklingen sollte.

Es war ein rauschendes Fest, zu dem sie alle Freunde einluden. Die Brautjungfern Marianka und Rosamunde waren mit dem Radl da, um auch ordentlich mitfeiern zu können.

An diese Hochzeitsfeier wird man sich noch lange erinnern!

Und die Moral von der Geschicht:
Sind die Mappen nicht sortiert,
ist wieder mal ein Fest passiert.
Die Lieder hatten keine Zeit und waren somit nicht bereit,
für den Donnerstag Abend um halb acht,
wenn Übungsabend ist angesagt.
Sie konnten nicht so schnell an ihren Ort,
drum herrscht das Chaos immerfort!